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Fassadenmängel dokumentieren: Welche Fotos und Unterlagen helfen

· Paul Zgraggen
Fassadenmängel dokumentieren: Welche Fotos und Unterlagen helfen

Ein Riss neben dem Fenster, eine dunkle Stelle am Sockel oder eine Abplatzung im Putz: Solche Auffälligkeiten lassen sich schnell fotografieren. Für eine fachliche Beurteilung braucht es jedoch auch den Zusammenhang. Wo liegt die Stelle? Seit wann ist sie sichtbar? Wie verändert sie sich? Wer Fassadenmängel dokumentieren möchte, schafft mit systematischen Fotos, kurzen Beobachtungsnotizen und passenden Bauunterlagen eine gute Grundlage für die weitere Abklärung.

Fotos vom Überblick bis zum Detail aufnehmen

Eine einzelne Nahaufnahme zeigt häufig die Oberflächenstruktur, lässt sich später aber kaum einem bestimmten Fassadenabschnitt zuordnen. Bewährt hat sich deshalb eine Bildfolge aus drei Aufnahmeabständen.

Übersicht: die betroffene Gebäudeseite

Fotografieren Sie zunächst die gesamte Fassadenseite oder einen ausreichend grossen Abschnitt. Fenster, Gebäudeecken, Balkone und der Terrainverlauf helfen bei der Orientierung. Halten Sie die Himmelsrichtung und das Geschoss fest.

Die Übersicht zeigt auch, ob ähnliche Erscheinungen mehrfach auftreten: etwa Risse an mehreren Fensterecken oder Verfärbungen entlang des Sockels. Nehmen Sie deshalb benachbarte, unauffällige Flächen mit auf. Sie können später als Vergleich dienen.

Bereichsaufnahme: die Lage am Bauteil

Gehen Sie anschliessend näher heran. Das zweite Bild soll die Auffälligkeit zusammen mit einem erkennbaren Bezugspunkt zeigen, beispielsweise einer Fensterbank, einem Fallrohr oder einem Anschluss an den Balkon.

Vergeben Sie für jede Stelle eine eindeutige Kennzeichnung, etwa N-01 für die erste Stelle an der Nordfassade. Tragen Sie diese Kennzeichnung in eine Fassadenansicht oder eine einfache Skizze ein. So können alle Beteiligten dieselbe Stelle wiederfinden.

Detailaufnahme: mit erkennbarem Massstab

Erstellen Sie zuletzt eine scharfe Nahaufnahme. Ein Lineal oder ein geeigneter Fotomassstab neben der Stelle macht Grössenverhältnisse nachvollziehbar. Die Skala sollte gut lesbar und möglichst in derselben Ebene wie die Putzoberfläche liegen. Vermeiden Sie dabei Druck auf lose Bereiche.

Für feine Rissbreiten reicht ein gewöhnlicher Meterstab meist nicht aus. Eine genaue Bestimmung kann geeignete Messmittel und eine Untersuchung vor Ort erfordern. Aus einem unscharfen Foto lässt sich keine verlässliche Rissbreite ableiten.

Fotografieren Sie möglichst senkrecht zur Fläche und bei gleichmässigem Tageslicht. Starkes Gegenlicht und harte Schatten können Details verdecken. Zusätzliche Aufnahmen bei seitlichem Licht können Unebenheiten sichtbar machen; vermerken Sie die besondere Beleuchtung, damit die Bilder richtig eingeordnet werden.

Datum und Beobachtungen gehören zu jeder Stelle

Eine gute Schadensdokumentation an der Fassade verbindet Bilder mit kurzen, sachlichen Angaben. Notieren Sie je Fundstelle:

  • Ort: Fassadenseite, Geschoss und Lage zu einem festen Bezugspunkt.
  • Aufnahmedatum: bei Bedarf ergänzt um die Uhrzeit.
  • Erstmalige Feststellung: genaues Datum oder ausdrücklich als ungefährer Zeitraum.
  • Sichtbares Erscheinungsbild: beispielsweise Rissverlauf, Abplatzung, Verfärbung oder sichtbare Verformung.
  • Ausdehnung: gemessene oder geschätzte Länge und Fläche, jeweils entsprechend bezeichnet.
  • Begleitumstände: etwa vorausgegangener Regen, Frost oder kürzlich ausgeführte Arbeiten.
  • Entwicklung: neu aufgetreten, unverändert oder gegenüber einer früheren Aufnahme verändert.

Beschreiben Sie zunächst, was tatsächlich erkennbar ist. «Dunkle Verfärbung unter dem linken Fensterbankende» ist nachvollziehbarer als «undichter Fensteranschluss». Die zweite Formulierung enthält bereits eine Ursachenannahme.

Ein Eintrag kann beispielsweise so aussehen:

N-01, Nordfassade, Erdgeschoss: Am 12. Oktober 2026 erstmals bemerkt. Dunkle Verfärbung unter dem linken Ende der Fensterbank, Ausdehnung ungefähr 20 × 35 cm. Am Vortag Regen. Fotos N-01-01 bis N-01-03. Keine Feuchtemessung durchgeführt.

Ob die Fläche tatsächlich durchfeuchtet ist und woher die Verfärbung stammt, bleibt damit für die Untersuchung offen.

Veränderungen mit vergleichbaren Aufnahmen verfolgen

Wiederholte Fotos können helfen, den zeitlichen Verlauf zu beurteilen. Verwenden Sie dafür möglichst denselben Standort, Bildausschnitt und Massstab. Behalten Sie die Kennzeichnung der Stelle bei und ergänzen Sie das neue Datum.

Notieren Sie unterschiedliche Bedingungen. Eine nach Regen dunklere Oberfläche kann auf einem späteren Bild wieder heller erscheinen. Daraus allein lässt sich weder eine Schadenursache noch eine erfolgreiche Austrocknung des gesamten Fassadenaufbaus ableiten.

Bei einer verputzten Aussenwärmedämmung bleiben viele Schichten auf Fotos unsichtbar. Eine Bildserie zeigt Veränderungen an der Oberfläche; Zustand und Befestigung der Dämmung oder die Ausführung der Armierung lassen sich daraus meist nicht sicher beurteilen.

Welche Unterlagen für ein Fassadengutachten helfen

Fotos dokumentieren den sichtbaren Zustand. Bauunterlagen ergänzen, was geplant, ausgeschrieben und ausgeführt wurde. Stellen Sie vorhandene Dokumente möglichst nach folgenden Gruppen zusammen:

Unterlagen Nutzen für die fachliche Beurteilung
Fassadenansichten, Grundrisse und Detailpläne Zuordnung der Stellen sowie Verständnis von Anschlüssen, Sockel und Bauteilübergängen
Werkverträge, Leistungsverzeichnisse und Nachträge Nachvollziehen der vereinbarten Leistungen und späterer Änderungen
System- und Produktangaben Informationen zu Systemanbieter, Dämmstoff, Dämmstärke, Befestigung, Armierung, Deckputz und Beschichtung
Ausführungsnachweise und Baustellenfotos Hinweise auf den tatsächlichen Aufbau und später verdeckte Details
Abnahmeprotokolle und frühere Zustandsberichte Dokumentation bereits bekannter Auffälligkeiten und früherer Feststellungen
Reparatur-, Reinigungs- und Unterhaltsberichte Angaben zu Eingriffen, verwendeten Materialien und betroffenen Flächen

Besonders hilfreich sind Unterlagen, die eindeutig zum Gebäude gehören. Ein allgemeines Produktdatenblatt belegt für sich allein noch nicht, dass das Produkt tatsächlich eingebaut wurde. Lieferscheine, Ausführungsfotos und nachvollziehbare Unternehmerangaben können die Zuordnung unterstützen.

Kennzeichnen Sie bei Plänen den Revisionsstand. Fehlen Dokumente, führen Sie diese als fehlend auf. Auch ein unvollständiges, sauber geordnetes Dossier hilft bei der Vorbereitung eines Ortstermins.

Für die technische Einordnung einzelner Erscheinungen stehen zudem die Merkblätter und Fachinformationen des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands zur Verfügung, darunter Publikationen zu Rissen in Putzen und Beschichtungen sowie zu Algen, Pilzen und Flechten an Fassaden.

Originaldateien sichern und eindeutig ablegen

Bewahren Sie Fotos in ihrer ursprünglichen Auflösung auf. Über Messenger verschickte oder in Dokumente eingefügte Bilder können verkleinert werden und wichtige Details verlieren. Sichern Sie die Originaldateien zusätzlich an einem zweiten Speicherort.

Für die Weitergabe eignet sich eine beschriftete Fotoübersicht mit Bildnummer, Datum, Ort und Kurzbeschreibung. Pfeile oder Markierungen gehören auf Arbeitskopien; die Originale bleiben unverändert. Kontrollieren Sie die Datumsangaben der Kamera und führen Sie das Aufnahmedatum zusätzlich im Protokoll.

Eine übersichtliche Ordnerstruktur mit Fotos, Plänen, Systemunterlagen, Protokollen und früheren Reparaturen erleichtert die Bearbeitung.

Vor Reparaturen den Ausgangszustand festhalten

Dokumentieren Sie Auffälligkeiten möglichst vor einer Reinigung, Überarbeitung oder Reparatur. Solche Arbeiten können Spuren verändern, die für die Ursachenklärung hilfreich wären. Notwendige Sofortmassnahmen sollten ebenfalls mit Datum und Beschreibung festgehalten werden.

Öffnen Sie den Fassadenaufbau nicht eigenständig und entfernen Sie keine losen Teile zu Untersuchungszwecken. Beschränken Sie eigene Aufnahmen auf sicher erreichbare Bereiche. Bei abfallenden Putzstücken oder anderen akuten Gefahren haben die Sicherung des Bereichs und die fachliche Abklärung Vorrang.

Ein geordnetes Dossier ermöglicht der Fachperson, gezielte Fragen zu stellen und notwendige Untersuchungen vorzubereiten. Ob eine sichtbare Auffälligkeit einen technischen Mangel darstellt und welche Massnahme sinnvoll ist, ergibt sich aus der gemeinsamen Beurteilung von Zustand, Aufbau, Ausführung und Vorgeschichte.